Ehrenamtliche Einzelvormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Rechtliche Vertretung erfordert Engagement und Vertrauen

Vormundin und Mündel

Wenn Sie eine Mentorenschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling übernommen haben, besteht nach ein paar Monaten die Möglichkeit, eine ehrenamtliche Einzelvormundschaft für den oder die Jugendliche zu übernehmen - wenn Sie und ihr Mentee das möchten.

Mit der Übernahme einer Einzelvormundschaft für eine*n Jugendliche*n, der oder die ohne Familie oder nahe erwachsene Angehörige nach Bremen geflohen ist, werden Sie zur rechtlichen Vertretung dieses oder dieser Jugendlichen. Der oder die UmF (unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge) wird weiterhin in der Jugendhilfe betreut, hat dort Bezugsbetreuer*innen, die im Alltag die ersten Ansprechpartner*innen sind, und im Jugendamt eine*n Fallbeauftragte*n (Case-Manager*in).

Die Amtsvormundschaft, die für alle UmF, die in Bremen in der Jugendhilfe aufgenommen werden, ebenfalls vom Jugendamt eingesetzt wird, wird durch die ehrenamtliche Einzelvormundschaft ersetzt. Die Vormundschaft für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling inne zu haben, bedeutet, die rechtliche Sorge für den/die Jugendliche*n zu tragen, also auf rechtlicher Ebene wie ein Elternteil zu agieren.

Fluchtraum Bremen e.V. begleitet Sie in allen Phasen der ehrenamtlichen Vormunschaft.

Welche Aufgaben hat ein/e Einzelvormund*in (EVM)?

  • Rechtliche Sorge: gesetzliche*r Vertreter*in (unterschreibt)
  • Personensorge: Verantwortet persönlich Pflege und Erziehung (Unterbringung, Schule, körperliche und seelische Gesundheit)
  • Treffen mit dem Jugendlichem mindestens einmal monatlich
  • Vermögenssorge (entfällt i.d.R. bei umF)
  • Teilnahme an Hilfeplangesprächen im Jugendamt (Perspektivplanung)
  • Die Alltagssorge bleibt bei der/dem Betreuer*in der Jugendhilfe.


Wenn Sie Einzelvormund*in werden wollen, brauchen wir von Ihnen …

  • Ihre Teilnahme an einem Gespräch zur Vormundschaftsberatung
  • Sie nehmen Kontakt mit dem/der zuständigen Amtsvormund*in auf.
  • Schriftliche Erklärung des/der Jugendlichen (Einverständniserklärung, auch handschriftlich möglich)
  • Ihre schriftliche Einwilligungserklärung (Vordruck  in zweifacher Ausfertigung)
  • Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, falls das zur Mentorenschaft eingereichte polizeiliche Führungszeugnis älter als 6 Monate ist (Sie werden von den Kosten befreit!).


Wir erstellen eine Einschätzung zu Ihrer Eignung und reichen diese zusammen mit Ihren Unterlagen (s.o.) an die Koordinierungsstelle beim Amt für soziale Dienste ein.

Von dort wird die Beantragung an das Familiengericht weitergeleitet. Erfahrungsgemäß dauert es ca. 4 Wochen, bis Sie vom Familiengericht eingeladen werden und Ihre Bestallungsurkunde erhalten. 

Einzelvormund*innen …

  • sind über die Unfall-und Haftpflichtversicherung des Landes versichert (Rahmenvertrag Bremen und ÖVB von 2016)
  • erstellen einmal jährlich einen Bericht an das Familiengericht (nach Aufforderung durch das Familiengericht).
  • erhalten eine Erstattung der Aufwendungen nach § 1835 BGB (als Aufwandspauschale 399.-€ können bei längerer Abwesenheit (z.B. Urlaub) eine Vertretungsvollmacht an Dritte ausstellen.
  • unterliegen der Aufsicht und Kontrolle des Familiengerichts (Rechtspfleger).
  • können eine „Ehrenamtskarte“ beim Referat Bürgerengagement beantragen.

Viele Informationen rund um eine ehrenamtliche Einzellvormundschaft haben wir in unserem Reader zusammengestellt.