Der Bremer Rat für Integration kritisiert unsachgemäße Hürden bei Abschlussprüfungen für Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen

Pressemitteilung vom 21.05.2021, Bremer Rat für Integration

Für viele Auszubildende in Bremen stehen die Abschlussprüfungen kurz bevor. In diesen Prüfungen wird nicht nur Fachwissen überprüft. Durch sprachlich kompliziert formulierte Prüfungsaufgaben findet zudem auch eine nicht vorgesehene Deutschprüfung statt. Schachtelsätze und unnötig komplizierte Satzstellungen sind in Prüfungen keine Ausnahmen. Vielen Auszubildenden, die fachlich sehr gut vorbereitet in die Prüfung gehen und von deren Leistungen und Fähigkeiten auch die Betriebe überzeugt sind, wird dies zum Verhängnis.

In einer zunehmend digitalisierten und globalisierten, diversen Welt ist multikulturelle Kompetenz der Mitarbeitenden ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Wirtschaft und Gesellschaft brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die die Wirtschaftskraft stärken und die für ihren Lebensunterhalt nicht auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind. Dafür investieren Betriebe, Schulsystem und die betroffenen Auszubildenden selbst viel Zeit und Geld.

Am Ende stehen vor dem Erfolg Abschlussprüfungen - Prüfungen, die Prüflinge häufig nicht aus fachlichen Gründen, sondern wegen sprachlicher Hürden nicht bestehen. Wenn Prüflinge fachlich gut bis sehr gut sind, ihre sprachliche Kompetenz aber noch nicht ausreicht, die häufig umfangreichen Textinformationen in der vorgegebenen knappen Zeit zu bearbeiten, verzerrt dies das Prüfungsergebnis in nicht sachgerechter Weise. Prüfungsaufgaben sollten so gestaltet sein, dass Prüflinge ihr Fachwissen nachweisen können, aber nicht so, dass faktisch eine (unbeabsichtigte) Sprachprüfung stattfindet.

Aus diesen Gründen fordern wir als Bremer Rat für Integration Prüfungsaufgaben in klarer Sprache zu formulieren, die den Kriterien des Deutschen Handwerksinstituts aus der Veröffentlichung "Sprachsensible Gestaltung von Prüfungsaufgaben" (2017) entsprechen. ​​​​​​Die Nutzung von Wörterbüchern muss im Rahmen von Abschlussprüfungen erlaubt sein und im Falle einer Beeinträchtigung des Lesens und Rechtschreibens sollte es die Möglichkeit einer Schreibzeitverlängerung geben.