Wer wir sind und was uns bewegt

Junge Geflüchtete brauchen engagierte Begleitung

Fluchtraum Bremen e.V. – Engagement für junge Geflüchtete seit 2004

Fluchtraum Bremen e.V. setzt sich seit 15 Jahren für die Belange junger Geflüchteter ein. Schwerpunkte der Vereinsarbeit sind die Vermittlung von ehrenamtlichen Mentoren- und Vormundschaften, Schulung und Beratung für Ehrenamtliche, Fachkräfte und junge Geflüchtete sowie Angebote für junge Geflüchtete zur Förderung von sozialer Teilhabe und Integration.

Der Verein hat derzeit 157 Mitglieder, von denen viele seit Beginn die Vereinsarbeit mittragen und sich selbst als Mentoren*innen und Vormund*innen engagieren. Derzeit sind ca. 243 Bremer Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich im Verein aktiv und begleiten junge Geflüchtete als Mentor*in oder Einzelvormund*in oder engagieren sich im Beratungscafé, im Lerntreff, in Projekten zur Jugendbegegnung im Stadtteil, Filmworkshops, im „Expertenrat“.

Fluchtraum Bremen e.V. ist als Träger der freien Jugendhilfe gem. § 75 SGB VIII anerkannt, Mitglied im Bundesverband Paritätischen Bremen und im Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF); dort stellt der Verein über die Vorstandsvorsitzende die Landeskoordination Bremen.

Zentrum für Begegnung und Beratung für junge Geflüchtete

Mit institutioneller Förderung durch die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport baut der Verein seit 2018 ein Zentrum für Begegnung und Beratung für junge Geflüchtete auf. Mit dem Zentrum soll eine Anlaufstelle für junge Menschen mit Fluchtgeschichte entstehen, das unsere Angebote zur Begleitung Beratung und Begegnung bündelt und zugleich Raum für neue Formate zur Förderung von Partizipation und Empowerment bietet. In das Zentrum sind Ehrenamtliche als persönliche Ansprechpartner*innen  (Vormundschaft und Mentorenschaft), als Unterstützer*innen im Beratungscafé und im Lerntreff und in Projekten eingebunden. Zugleich versteht sich das Zentrum als Fachstelle für Akteure aus der Jugend- und Flüchtlingsarbeit, für Migranteninitiativen und Interessierte.

Angebote und Aktivitäten für junge Geflüchtete 

Fluchtraum Bremen e.V. ist eine wichtige Anlaufstelle für junge Geflüchtete. Viele junge Geflüchtete, insbesondere minderjährige unbegleitete Flüchtlinge (umF), die ohne Familie nach Bremen eingereist sind, suchen eine persönliche Begleitung. Ihnen vermittelt der Verein Mentoren- und Einzelvormundschaften. Für die Jugendlichen sind die Ehrenamtlichen eine wichtige Ansprechperson und vertrauensvolle Begleitung beim „guten Ankommen und Bleiben“ in Deutschland. Im Unterschied zu professionell tätigen Amtsvormund*innen bringen sie besondere Ressourcen mit: sie sind persönliche Vertrauensperson für die Jugendlichen, haben Zeit, sind flexibel und öffnen ihnen durch ihre privaten Netzwerke „Türen“ in die Gesellschaft.

Seit 2016 bietet der Verein professionelle Beratung zu Asyl- und Aufenthalt und Sozialleistungen (verlinken Beratungsbüro im Lagerhaus Schildstrasse) und das niedrigschwellige Angebot Beratungscafé (verlinken) in Kooperation mit dem Jugendhaus Buchte an. Hier finden die jungen Menschen Unterstützung in Alltagsfragen und einen Lerntreff mit Hausaufgabenhilfe.

Unter dem Motto „WE, THE FUTURE“ führt der Verein Projekte und Aktivitäten für junge Geflüchtete zur Förderung von sozialer Teilhabe und Integration durch (Filmprojekte, Jugendbegegnung, Empowerment-Workshops, Schulungsprogramm etc.)

Einbindung von Ehrenamtlichen

Die Einbindung von Ehrenamtlichen ist eine wichtige Säule der Vereinsarbeit. Sie übernehmeneine  Einzelvormundschaft oder Mentorenschaft für junge Geflüchtete. Andere engagieren sich im Beratungscafé, helfen im Lerntreff beim Deutschlernen und bei Hausaufgaben und arbeiten in Projekten mit. Auch junge Menschen mit Fluchtgeschichte sind ehrenamtlich aktiv und bringen sich als Sprach- und Kulturmittler ein. Der Verein unterstützt und begleitet die Ehrenamtlichen in ihrem Engagement durch Beratung, Schulungen, Themenveranstaltungen, Austauschtreffen und regelmäßige Informationen und Material (Newsletter, Website, Social Media ).
Mit Unterstützung der Ehrenamtlichen haben viele junge Geflüchtete ihren Weg gemacht. Sie besuchen die Schule bzw. absolvieren eine Ausbildung, haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und einen Arbeitsplatz gefunden, leben in der eigenen Wohnung, sind in Sportvereinen oder in kulturellen Einrichtungen aktiv.

Zusammenarbeit mit zuständigen Stellen und Netzwerkarbeit  - Gemeinsam für junge Geflüchtete

Fluchtraum Bremen e.V. arbeitet eng mit den zuständigen Stellen bei der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, dem Jugendamt, Casemanagement, Sozialzentren zusammen und nimmt regelmäßig an Fachgruppen teil (Begleitgruppe umA; Begleitgruppe Vormundschaften).

Zu unserem Netzwerk gehören Jugendhilfeeinrichtungen, Akteure aus der Jugend- und Flüchtlingsarbeit (z.B. Jugendberufsagentur, Bremer Flüchtlingsrat, Zuflucht e.V., Bremer Jugendring, Jugendhaus Buchte, Bremer Beratungsbüro für Erziehungshilfen/BeBeE, AVA, IQ-Netzwerk) und Migranteninitiativen  (z.B. Flüchtling für Flüchtling, Somalischer Verein, Guineischer Verein für Integration und Bildung in Deutschland, Help a Refugee, Afghanischer Kulturverein).

Gemeinsam mit den Netzwerkpartnern beteiligt sich Fluchtraum Bremen e.V. aktiv an den öffentlichen Debatten rund um das Thema Flucht und Migration und setzt sich für die Interessen und Rechte der jungen Geflüchteten ein. Themen wir menschenwürdige Unterbringung, Zugang zu Schule und Ausbildung, sicherer Aufenthalt, Ausbildungsperspektiven und finanzielle Absicherung stehen dabei im Vordergrund.

Zur Weiterentwicklung der fachlichen Arbeit arbeitet Fluchtraum Bremen e.V. in überregionalen Projektzusammenhängen. Aus der Mitarbeit im bundesweiten Projekt „Do it! Transfer Plus“, gefördert über AMIF/BAMF  (Juni 2015 bis Juni 2018) ist das „Handbuch für die Arbeit mit ehrenamtlichen Vormund*innen“ entstanden. Von Juli 2017 bis Dezember 2018 war der Verein Kooperationspartner im Projekt „Ehrenamtliche Vormundschaften – eine Chance für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, das vom Kompetenzzentrum Pflegekinder e.V. im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde. Das Kompetenzzentrum hat die fachliche Arbeit durch wissenschaftliche Begleitung unterstützt.  Projektergebnis ist die Broschüre „Junge Geflüchtete beim Übergang ins Erwachsenenleben begleiten“. Die Kooperation mit dem Kompetenzzentrum wird in 2019 fortgesetzt und mit wissenschaftlicher Begleitung eine Schulungsreihe für junge Geflüchtete sowie Empowerment-Workshops durchgeführt.

„18 und dann ?!“ – Übergangsbegleitung junger Volljähriger als Herausforderung für die nachhaltige Integration junger Geflüchteter 

Vor dem Hintergrund der Entwicklungen seit 2016 (Rückgang des Zuzugs von unbegleiteten Minderjährigen, Umverteilung von umF, Reduzierung bzw. Wegfall der Jugendhilfe für junge Volljährige, etc.) rückt die Übergangsbegleitung von jungen Volljährigen zunehmend in den Fokus.

Volljährigkeit bedeutet für die jungen Menschen eine einschneidende Zäsur, da die Jugendhilfe sukzessive  ausläuft. Der Übergang in die Verselbständigung wird von den zuständigen Stellen vorbereitet, im Alltag stehen die sog. „Careleaver“  dann jedoch oft allein vor den Anforderungen des Erwachsenwerdens. Das gilt zumal für Jugendliche, die nie in der Jugendhilfe waren bzw. die mit ihren Familien nach Bremen kommen und durch ihre Familien wenig Unterstützung erhalten, da diese selbst die Integrationsanforderungen bewältigen müssen.

In Bremen werden ca. 1045 junge volljährige Geflüchtete, die als Minderjährige ohne ihre Familien eingereist sind, von der Jugendhilfe betreut (Stand 31.12.2018). Hinzu kommt noch eine Vielzahl von jungen Menschen mit Fluchtgeschichte, die allein oder mit ihren Familien in Bremen leben. Für die jungen Menschen geht es um  konkrete Alltagsbewältigung: Wie finde ich einen Schul- oder Ausbildungsplatz? Wie schaffe ich die Ausbildung? Wo finde ich eine Wohnung? Wie kann ich allein zurechtkommen? Wie finde ich Kontakte zu Gleichaltrigen der Mehrheitsgesellschaft? Wo kann ich mich einbringen?

Ausgehend von den wachsenden Anforderungen in der Übergangsbegleitung junger Geflüchteter hat der Verein in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und relevanten Netzwerkpartnern ein Konzept für die Erweiterung seines Tätigkeitsfeldes entwickelt. Für die Jahre 2018/2019 erhält der Verein eine institutionelle Förderung der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport zum Aufbau eines „Zentrums für Begegnung und Beratung“. Mit dem Zentrum soll eine Anlaufstelle für junge Menschen mit Fluchtgeschichte entstehen, das Ehrenamtliche in unterschiedliche Engagementformate einbindet und für Akteure aus der Jugend- und Flüchtlingsarbeit als Fachstelle ansprechbar ist.