Unser Erfahrungsbericht – Andrea und Naser

Die Mentorenschaft besteht seit Januar 2017

Was ich noch zu mir sagen möchte

Foto: Mentorin und Mentee sitzen auf einer niedrigen MauerAndrea: Ich habe das Land mehrmals - als Kind, als Jugendliche, später als junge Erwachsene - verlassen und wo anders neu anfangen müssen. Ich kenne das Gefühl, nicht dazuzugehören, das Gefühl des Aufbruchs, des Fremdseins und des Heimwehs. In Bremen bin ich inzwischen Zuhause. Ich arbeite im Kulturbereich und engagiere mich in einem Sportverein. Außerdem liebe ich die Berge und das Meer und reise gerne.

Naser: Ich bin seit zwei Jahren in Bremen. Ich komme aus Afghanistan. Seit ein einhalb Jahren gehe ich zur Schule. Im Moment habe ich Deutsch-, Mathematik-, Informatik- und Sportunterricht. Einen kleinen Job habe auch.

So bin ich zu meinem Engagement als Mentorin gekommen

Andrea: Ich wurde von einer Bekannten angesprochen, Nachhilfe und Freizeitgestaltung in einer betreuten WG zu machen. Ich war schon länger auf der Suche, ich wollte nicht immer nur Sachspenden machen, dennoch passte nichts so richtig. Über die WG habe ich dann auch meinen Zögling kennengelernt. Er hatte mich selber darauf angesprochen. Ich mochte seine direkte Art und er war mir sympathisch. Seine Wünsche an eine Mentorenschaft passten gut zu meinen Möglichkeiten und so habe ich eingewilligt. Das habe ich bis heute nicht bereut.

Deswegen habe ich eine Mentor:in gesucht

Naser: Weil ein Mentor oder Mentorin bei Hausaufgaben helfen kann und auch andere Dinge mit dir machen kann. Zum Beispiel zusammen in die Stadt gehen, in der Bibliothek Bücher lesen und viel Deutsch sprechen. Ich möchte selber auch andere unterstützen, später einmal.

Das finde ich an meiner Mentorin besonders gut

Foto: Selfie von Andrea und Naser in Barcelona mit einer Plaza im HintergrundNaser: Ich finde sie gut, weil sie viel geholfen hat, bei Hausaufgaben, Wohnungssuche, Praktikumsplatz und jetzt fliegen wir sogar zusammen nach Spanien.

Ich wünsche mir, dass auch andere Jugendliche so eine nette Person kennenlernen wie ich.

Das macht mir besonders viel Freude in meinem Engagement

Andrea: Ich lerne unglaublich viel. Wir vertrauen uns inzwischen so sehr, dass wir auch Konflikte gut bewältigen. Wir lachen viel und sind gemeinsam erfolgreich. Wenn was schief geht machen wir uns gegenseitig keine Vorwürfe und versuchen es weiter. Ich sehe mit sehr viel Stolz zu, wie erwachsen und selbstständig mein Zögling wird. Das ist toll.

Das finde ich manchmal schwierig

Andrea: Die Zusammenarbeit mit den Betreuer:innen war in der betreuten WG produktiv und leicht. Das änderte sich nach dem Auszug mit der ambulanten Betreuung durch einen anderen Träger. Das war ein ziemlicher Bruch und hat sich wirklich schwierig gestaltet. Klar, es hat auch die Selbstständigkeit gefördert, dass erstmal nichts mehr geklappt hat, aber das fand ich heikel und sehr belastend.

Als große Bürden empfinde ich die Asylgesetzgebung und die dazugehörigen politischen Debatten, die Abschaffung des Familiennachzuges.... die gesellschaftliche Isolation der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die prekäre Aufenthaltssituation. Das lässt sich individuell nicht auffangen. So begreife ich unter anderem die starke Verbindung vor allem in die eigene Exilgruppe hinein und nach Hause in die Ferne. Und manches Mal versteht man einfach nicht, worum es geht und das lässt sich nicht immer klären.

Das hat mir in meinem Engagement geholfen

Andrea: Bei allem hilft Austausch. Mit Profis, anderen Ehrenamtlichen, Freund:innen. Fachliteratur und rechtlicher Beistand nicht zu verschweigen. Die positive Rückmeldung und Wertschätzung meines persönlichen und beruflichen Umfeld ist unglaublich stärkend und unterstützend. Genauso wie die Wertschätzung, Freude und das Vertrauen von Seiten meines Zöglings mir gegenüber.

Diese schönen Dinge habe ich in meinem Engagement erlebt

Foto: Selfie im AutoAndrea: Anrührend und wichtig finde ich die Einladungen seitens der Schule. Es sind dort sehr engagierte Lehrer:innen. Sie und die Schule spielen eine zentrale Rolle im Leben der Jugendlichen. Ich hatte Einladungen zur Tanzaufführung (Projektabschluss), zu einer Präsentation der Klasse mit anschließendem „Elterngespräch“ und einer Weihnachtsfeier. Es war ungemein wichtig, dass ich und andere, vor allem Betreuer:innen , die Termine wahrgenommen haben. Alle Jugendlichen waren sehr aufgeregt, haben sich Mühe gegeben, haben sich gefreut, etwas von sich zu zeigen, haben als Gruppe und als einzelne agiert. Das hat mir vor Augen geführt, dass die Schule für diese Jugendlichen ein unglaublich wichtiger sozialer Ort ist. Neben
dem Lehrstoff findet hier einfach gesellschaftliches Leben statt. Davon bitte mehr!!!!!

Diese schöne Geschichte habe ich mit meiner Mentorin erlebt

Naser: Ich habe einen guten Vermieter gefunden, er ist sehr nett. Gerne würde ich ihn öfter sehen. Ich möchte noch ganz lange, mindestens 10 Jahre in dieser schönen Wohnung wohnen bleiben.

Januar 2018