Erfahrungsbericht von Sophie

Mentorin von Suleiman seit Februar 2016 und Vormundin von Juni 2016 – Januar 2018

Deswegen habe ich mich für das ehrenamtliche Engagement entschieden

Als pädagogische Mitarbeiterin in einer Notunterkunft habe ich miterlebt, dass jungen Geflüchteten in vielerlei Hinsicht Rechte verwehrt blieben. Neben vielem anderen auch das Recht auf eine:n Vormund:in, also eine erwachsene Ansprechperson, die sich ihrer Sorgen und Wünsche annimmt und für sie eintritt. Damals, im Herbst und Winter 2015/2016, als besonders viele junge Menschen Schutz in Bremen gesucht haben, waren die Behörden überfordert und die Situation besonders schlimm. Nach etlichen Monaten hatten nur ein paar einzelne der 90 Jugendlichen, die wir in der Notunterkunft betreut haben, eine:n Vormund:in an ihrer Seite.

Aber auch heute erlebe ich, dass Amtsvormund:innen für zu viele Jugendliche zuständig sind und sich häufig kein Vertrauensverhältnis entwickelt. Aber genau das finde ich total wichtig! Wie soll jemand für und mit einem jungen Menschen Perspektiven entwickeln und gute Entscheidungen treffen, wenn man sich gegenseitig fremd ist? Suleiman und ich haben uns in der Notunterkunft kennengelernt. Wir hatten einen guten Draht zueinander und ich den Eindruck, dass er besonders von persönlicher Unterstützung profitieren kann. Als die Unterkunft geschlossen wurde und ich nicht mehr seine Betreuerin war, habe ich ihm angeboten zunächst seine Mentorin und dann seine Vormundin zu werden. Ich habe mich gefreut, als er ja gesagt hat.

Das macht mir besonders viel Freude in meinem Engagement

Dass Suleiman und ich zwar auch mal aneinandergeraten, aber dabei doch beide wissen, dass wir ein tolles Team sind und bleiben.

Das finde ich manchmal schwierig

Persönliche Grenzen zu setzen ohne Suleiman das Gefühl zu geben, dass das eine Zurückweisung ist.

Das hat mir in meinem Engagement geholfen

Suleiman hat unglaublich viele Ideen für seine Zukunft. Nicht alles davon ist aus meiner Sicht so einfach realistisch umsetzbar. Sein Selbst- und Gott-Vertrauen darin, dass er schon irgendwie einen guten Weg finden und gehen wird, erleichtert oft die an sich schwierige Situation.

Diese schöne Geschichte habe ich in meinem Engagement erlebt

Als mich meine Eltern besucht haben, stand Suleiman mit zwei vollgepackten Einkaufstüten vor meiner Tür, um uns zu bekochen. Seitdem schreiben sich meine Mutter und er regelmäßig Postkarten. Suleimans Wunsch für die nächsten Ferien: Ein drittes Mal zu meinen Eltern bis nach Süddeutschland zu reisen. „Dieses Mal aber bitte für eine Woche.“