Junge Geflüchtete kämpfen darum in Bremen zu bleiben

Seit März 2018 kämpfen junge Geflüchtete um bessere Lebensbedingungen und eine Bleibeperspektive in Bremen - im Aktionsbündnis Gottlieb Daimler Straße sind sie gemeinsam mit Unterstützer*innen organisiert.

Mit diesem Schreiben lud das Aktionsbündnis Gottlieb-Daimler-Straße zu einem Informationsabend im August 2018 ein:

Seit Frühling 2018 verschaffen wir uns als bundesweit erste selbstorganisierte Gruppe junger unbegleiteter Geflüchteter Gehör. Unsere Bewegung entstand als Reaktion auf die Unterbringung im Camp Gottlieb-Daimler-Straße. In dieses Sammellager, das die Innere Mission betreibt, werden all jene Jugendlichen über Monate verbannt, die Widersprüche gegen die willkürliche Altersfestsetzung des Jugendamts eingelegt haben: “Unser einziges Verbrechen ist, dass wir hier sind. Wir bestehen auf unser eigenes Alter und wollen das erfundene Geburtsdatum, das sie uns geben, nicht haben. Dafür bestrafen sie uns.“

Bei den ersten öffentlichen Aktionen war der Soundtrack “They Don`t Care About Us” und die Parole: “Shut it down”: das Gottlieb Daimler Lager muss geschlossen werden! Gemeinsam fordern wir, dass wir endlich zur Schule gehen können und dass wir die psycho-therapeutische Versorgung erhalten, die viele von uns dringend brauchen. Es geht also schlicht um ein Zuhause und jugendgerechte Betreuung für uns.
Da immer mehr von uns gegen unseren Willen in andere Bundesländer verlegt werden, richtet sich unsere Protestbewegung nun in erster Linie gegen diese Transfers. Der Gängelung mit  neuen medizinischen Tests zur Altersfestsetzung, dem Entzug minimaler Standards, einem sich wöchentlich zuspitzendem schikanösem Verhalten vor allem der Sozialbehörde zum Trotz, lautet unsere alternativlose Forderung nun: “Together we are Bremen – we are here to stay!”
Wir werden  bestraft, weil wir den Mut hatten, unsere Isolation und Hoffnungslosigkeit zu durchbrechen, und uns nunmehr auch kollektiv, und vor allem für andere Menschen sichtbar und hörbar, für unsere Rechte einsetzen. 

Wir, genauso wie all jene Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, brauchen die praktische und solidarische Unterstützung der Bremer*innen – mehr denn je


Das Bündnis „Shut down Gottlieb-Daimler-Straße“ ist weiterhin aktiv, denn eine gesicherte Perspektive in Bremen wird den „Gottlieb-Daimler-People“ weiterhin verweigert. Das bedeutet für fast alle der Betroffenen die Abschiebung zurück in die Obdachlosigkeit nach Italien oder den Herkunftsstaat. Gemeinsam kämpfen die Jugendlichen und ihre Unterstützer*innen unter dem Motto „Together we are Bremen - eine solidarische Stadt für Menschen auf der Flucht“ weiter dafür, in Bremen bleiben zu können. Denn in Bremen haben die Jugendlichen inzwischen enge soziale und emotionale Kontakte aufgebaut und sind zu einem Teil der Stadt geworden. Es sind Freundschaften entstanden und sie werden von vielen Bremerinnen und Bremern unterstützt.
Das Aktionsbündnis ist auf finanzielle Hilfe angewiesen, außerdem werden Schlafplätze gesucht. Auch eine direkte Unterstützung der Bündnistreffen und eine Mitarbeit im Aktionsbündnis ist gerne gesehen.

Facebook: Shut down Gottlieb Daimler Straße Camp
Protestarchiv und Unterschriftensammlung: solidarity-city-bremen.org
Crowdfunding: startnext.com/support-shut-down-gottlieb-dai
Kontakt: shut-down-gottlieb-daimler@free-migration.org

Unterstützt durch
ADA (Antidiskriminierung in der Arbeitswelt) Bremen, Afrique-Europe-Interact, Bremen Solidarity Centre (BreSoC) e.V., Flüchtlingsinitiative e.V., Flüchtlingsrat Bremen, Solidarity City Bremen, Linksjugend ['solid] Bremen...